Schweinemarkt: Absatzkrise in Deutschland demoliert EU-weit das Preisgefüge

Mastschweine-Notierung sinkt in Österreich um 8 Cent.

Wien, 25. Juni 2015 (aiz.info). - Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) in Deutschland hat ihren Schlachtschwein-Basispreis für den Zeitraum 25. Juni bis 1. Juli um 9 Cent je Kilo Schlachtgewicht gesenkt, berichtet Dow Jones News. Damit sank der Referenzpreis nach dem Minus der Vorwoche noch einmal deutlich stärker, als vom Markt erwartet worden war. Das deutliche Einknicken der Zahlungsbereitschaft deutscher Schlachtunternehmen hatte bereits in der vergangenen Woche auch die Märkte in den Nachbarstaaten betroffen.

Spätestens jetzt bekommen die Kritiker an der exportorientierten Expansion in Deutschland Recht. Gründe für den aktuellen Preisverfall, welcher für diese Jahreszeit untypisch ist, sind nämlich primär die Einbrüche beim Export nach Russland und Asien. Da auch aus einer Reihe hausgemachter Entwicklungen der Fleischkonsum beim deutschen Verbraucher seit geraumer Zeit stark verliert, kann man bereits von einer Absatzkrise sprechen.

Vor diesem Hintergrund agieren die großen Verarbeiter in der BRD mit Hauspreisen und vehementen Preisforderungen, denen die Erzeugerseite nichts entgegen zu setzen hat. Andere relevante Mitgliedsstaaten und praktisch alle Nachbarländer mit Schweineproduktion zeigen sich extrem verunsichert. Die französische Schweinebörse (-0,1 Cent) appelliert in Anbetracht des Preisdruckes aus Deutschland an die nationale Fleischwirtschaft, den heimischen Anbietern die Treue zu halten.

Österreichische Abnehmer fordern massive Preiszugeständnisse

Auch in Österreich prägt die Verunsicherung bei allen Marktbeteiligten das aktuelle Bild. Seit dem Bekanntwerden der deutschen Entwicklung haben die Abnehmer auf allen Stufen das Geschäft gedrosselt und bereits erhebliche Preiszugeständnisse gefordert. Schlacht- und Zerlegebetriebe sprechen von schamlosem Agieren seitens der Einkäufer der Fleischindustrie und beklagen die Machtlosigkeit in diesem Zusammenhang. So musste trotz eines bestenfalls durchschnittlichen Angebotes und eines eigentlich geräumten Marktes der Abnehmerforderung nach deutschem Gleichklang weitgehend nachgekommen werden. Die Mastschweine-Notierung sinkt hierzulande um 8 Cent auf 1,38 Euro je kg (Berechnungsbasis: 1,28 Euro).

"Neben dem beschriebenen Exportdilemma ist in der abgelaufenen Woche auch das Grillgeschäft wetterbedingt weit unter den Erwartungen gelaufen. Eine Verbesserung in diesem Bereich würde jedenfalls zu einer Stabilisierung einen guten Beitrag leisten", fasst Johann Schlederer von der Schweinebörse die Marktaussichten zusammen.
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