Müssen wir künftig auf die Fichte verzichten?

Der Klimawandel setzt der Fichte zu. Forschungsprojekte erheben, wie diese Baumart hierzulande auch künftig bestehen kann. Vorweg: Es gibt trockenheitsresistentere Fichten.

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Genetische Unterschiede bestimmen die Trockheitsresistenz der Fichte © Agrarfoto
Erinnern Sie sich an den Extremsommer 2015? Vor allem die Fichte, die für uns wichtigste Baumart, litt enorm unter Trockenstress. Der Borkenkäfer entwickelte sich unter diesen Bedingungen prächtig und befiel die gestressten Bäume. Die Folge: Der höchste Käferholzanfall der letzten Jahre. Viele Experten befürchten, dass solch heiße Sommer in Zukunft nicht die Ausnahme sein werden.

Gene beeinflussen Klimaeignung

Da die Fichte in Europa ein Verbreitungsgebiet vom Pirin-Gebirge in Bulgarien bis in den Norden Finnlands hat, muss es genetische Unterschiede geben. In der Forschungsinitiative „Green Heritage” war die Trockenheitsresistenz der Fichte eines der wichtigsten Themen. Bereits in der ersten Projektphase (2007 – 2010) konnte gezeigt werden, dass die Wuchsreaktion von Fichten auf mehrere Trockenperioden sehr unterschiedlich und stark genetisch bedingt war.

Beobachtet wurden 11 Herkünfte in einem Versuch im Weinviertel. Die Fläche war in den vergangenen 30 Jahren von 2 längeren Perioden (1989 – 1993 und 2000 – 2003) mit unzureichenden Niederschlägen betroffen. Einige Herkünfte reduzierten ihren Zuwachs stärker als andere.

Bemerkenswerte Unterschiede

Die geringste Zuwachsreduktion in beiden Trockenperioden zeigt eine steirische Herkunft. Sie reduzierte ihren Zuwachs nur um 54 % in der Periode 1989 – 1993 und um 72 % von 2000 – 2003. Jene Herkunft, die immer am schlechtesten abschnitt, reduzierte ihren Zuwachs hingegen zwischen 72 % und 83 %. Diese Unterschiede belegen, dass die Fichte sehr variabel auf Trockenperioden reagieren kann und eine genetische Variation der Klimaeignung besitzt.

In dem von 2010 – 2015 durchgeführten Nachfolgeprojekt Green Heritage II wurden die Unterschiede an einer größeren Anzahl im Sämlingsversuch untersucht. Der Versuch umfasste mehr als 14.000 Jungpflanzen von 120 Herkünften der Fichte, überwiegend aus Österreich. Die ausgewählten Herkünfte waren systematisch über alle geographischen Regionen und Höhenstufen im österreichischen Verbreitungsgebiet verteilt. Im Frühsommer des zweiten Versuchsjahres wurde die Trockenresistenz bestimmt, indem die Bewässerung eingestellt und natürlicher Niederschlag verhindert wurden.

Auch dieser künstliche Trockenstress bestätigte die hohe genetische Variation in der Trockenreaktion der Fichte, denn zwischen den Herkünften ergaben sich signifikante Unterschiede. Allerdings sagen die Untersuchungen an den Sämlingen noch nicht viel aus. Möglicherweise treten bei ausgewachsenen Bäumen andere Prozesse beim Trockenstress in Erscheinung, als bei jungen Sämlingen.

Weiterhin wirtschaftlich bedeutend

Ziel der Projekte ist es, Herkünfte von Fichten zu finden, die am besten gegen den Klimawandel gewappnet sind. Die Fichte wird auch in Zukunft die Baumart sein, mit der die Waldbesitzer wirtschaftlich erfolgreich sein werden. Auch die Sägeindustrie in Österreich ist voll auf Nadelholz ausgerichtet. Daher ist es umso wichtiger, den Wald entsprechend zu gestalten.

Green Heritage

Die Forschungsinitiative „Green Heritage – Produktionsgrundlagen & Bestandessicherheit der Fichte verbessern” wird von der Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP), Praxispartnern und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Durchgeführt werden die Untersuchungen vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).