Ukraine hat das Potenzial zum größten Sojalieferant für Europa

Bestrebungen von Donau Soja, das Land als Partner zu gewinnen.

Kiew, 23. April 2015 (aiz.info). - Die Ukraine ist mit einer Sojaanbaufläche von 1,8 Mio. ha der größte Produzent dieser Eiweißpflanze in Europa und hat das Potenzial, der wichtigste Handelspartner für Westeuropa und Donau Soja zu werden, wenn es dem Verein gelingt, sichere und zuverlässige Wertschöpfungsketten auszubauen. Entsprechende Projekte werden nun gestartet.

Derzeit werden in Europa 5 Mio. t GVO-freies Soja benötigt, das sind 15% des gesamten Bedarfs. Nur ein Drittel (1,5 bis 2 Mio. t) kann die Union selbst produzieren, hauptsächlich in Italien, Serbien, Österreich, Rumänien und Kroatien. Gleichzeitig verpflichten sich immer mehr Einzelhändler in Deutschland, der Schweiz und Österreich zur Lieferung von nachhaltigem und regionalem Soja, womit in den nächsten zehn Jahren mit einer noch höheren Nachfrage zu rechnen ist. "Für 2015 erwarten wir eine zertifizierte Donau Soja-Menge von über 150.000 t. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von GVO-freien, regionalen und nachhaltigen Produkten steigt die Nachfrage. Speziell für Legehennen, Mastgeflügel und Mastschweine werden beträchtliche Mengen Soja benötigt - alleine in Österreich 600.000 t", so Matthias Krön, Obmann des Vereins Donau Soja. Ende 2014 stellten die heimischen Schweinefleischproduzenten Schirnhofer und Hütthaler teilweise auf Donau Soja um, auch Coop (CH) füttert sein Mastgeflügel damit und stellt seine Legehennen zur Jahresmitte 2015 um.

"Die neuen Sojamärkte in Westeuropa sind die Möglichkeit, mehr Schwung in die ukrainische Wirtschaft und Landwirtschaft zu bringen, und sie können helfen, die Ökologie und Fruchtfolge des Landes zu verbessern. Lokale Verarbeitung und Produktion bringen Mehrwert in die ländlichen Gebiete und schaffen neue Arbeitsplätze. Die KTG Gruppe heißt eine Kooperation mit ukrainischen Farmern und Verarbeitern durch das Donau Soja willkommen", so Benedikt Förtig, Vorstandsmitglied der Geschäftsführung der KTG Gruppe.

Der erste Schritt für den Aufbau von erfolgreichen Kooperationen zwischen ukrainischen Landwirten, Unternehmen und Donau Soja ist die Information über die Richtlinien des Vereins. Neben der Einhaltung von Arbeitsrechten, Pflanzenschutzregelungen und des Verbots des Anbaus in bestimmten Regionen zählen Gentechnikfreiheit und Regionalität zu den Hauptpunkten. Für die Ukraine heißt dies, dass nur Soja aus Uschgorod, Tschernowzy, Winniza, Odessa, Lwow, Ternopol, Chmelnizkij und Iwano-Frankovsm als Donau Soja zertifiziert werden darf. "Abgesehen vom Aufbau sicherer Wertschöpfungsketten, welche Trennung und Kontrollen inkludieren, wird ein Hauptfaktor die Versorgung mit GVO-freiem Saatgut sein. Wir arbeiten bereits mit ukrainischen Partnern zusammen und versorgen mehrere Unternehmen in den genannten Regionen, auch wenn es manchmal immer noch Probleme gibt", erklärt Felix Gohn, Geschäftsführer von Probstdorfer Saatzucht für die Ukraine. Davon berichtet auch die Saatbau, die ebenfalls ein Büro in der Ukraine hat. Die zwei größten Herausforderungen sind laut dem kaufmännischen Leiter, Yurii Nesterenko, "qualitativ mangelhaftes Saatgut und die Möglichkeit des Erwerbs von GVO-freiem Saatgut in manchen Regionen der Ukraine. Wir können das erste Problem lösen, das zweite erfordert jedoch sowohl die Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer als auch die Unterstützung der ukrainischen Regierung." Aus diesem Grund hat Donau Soja die Ukraine in der höchsten Risikogruppe eingestuft, was verstärkte Kontrollen mit sich bringt.

Zur Bewältigung von Marktherausforderungen werden professionelle und langanhaltende Geschäftsbeziehungen zwischen Westeuropa und der Ukraine geknüpft, um so sichere Lieferketten bilden zu können. Ein erster Schritt zur politischen Anerkennung durch das ukrainische Ministerium für Landwirtschaft wäre die Unterzeichnung der Donau Soja-Erklärung. Sie definiert die notwendigen Schritte für die Implementierung eines ambitionierten Anbauprogrammes. 16 Agrarminister und Staatssekretäre aus 14 Ländern der Donau Region haben sich bereits dazu bekannt.

Kooperationen mit ukrainischen Unternehmern und Landwirten

Um die hohen Importe von fast 30 Mio. t Soja zu reduzieren, stärkt Donau Soja auch Forschungsaktivitäten und arbeitet eng sowohl mit europäischen Landwirten als auch mit Verarbeitern und Händlern zusammen. Nachdem man sich in den ersten Jahren nach der Gründung des Vereins auf Serbien, Kroatien und Rumänien konzentriert hat, liegt der Fokus nun auf den nördlicher gelegenen Regionen, wie Moldawien und der Ukraine.
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